Lied statt Krieg II: Gabriel Fauré
Sonntag, 6. September 2026, 19:00Das im deutschen Sprachraum viel zu wenig präsente Liedschaffen Gabriel Faurés, dessen Œuvre
außerhalb Frankreichs überhaupt nur sehr selektiv rezipiert wird, bietet die Gelegenheit, dem
Lebensweg dieses genialen Komponisten aus einem tief persönlichen Blickwinkel nachzuspüren. Die
Begegnungen, deren musikalischer Abdruck auf diesem Streifzug nacherlebbar wird, zeichnen ein
getreues Bild nicht nur dieses berührenden Künstlerlebens, sondern auch jener bewegten
Umbruchszeit, in der dieses epochale – und hierzulande kaum bekannte – Werk entstehen konnte.
Programm
Lydia (Charles Leconte de Lisle) op. 4 Nr. 2 (1870)
La Chanson du pêcheur (Lamento) op. 4 Nr. 1 (1872)
Après un rêve (Romain Bussine nach einem toskanischen Volkslied) op. 7 Nr. 1 (1878)
Rêve d’amour (Victor Hugo) op. 5 Nr. 2 (1862)
Le papillon et la fleur (Victor Hugo) op. 1 Nr. 1 (1861)
Au bord de l’eau (Sully-Prudhomme) op. 8 Nr. 1 (1875)
Cinq mélodies de Venise (Paul Verlaine) op. 58 (1891)
I. Mandoline
II. En sourdine
III. Green
IV. A Clymène
V. C’est l’extase
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La Chanson d’Ève. Dix mélodies (Charles van Lerberghe) op. 95 (1906-1910)
I. Paradis
II. Prima verba
III. Roses ardentes
IV. Comme Dieu rayonne
V. L’aube blanche
VI. Eau vivante
VII. Veilles-tu, ma senteur de soleil
VIII. Dans un parfum de roses blanches
IX. Crépuscule
X. O mort, poussière d’étoiles
In der Geschichte des Liedes begegnen uns in den letzten 200 Jahren gehäuft Großmeister, die dem verletzlichen – und in den letzten Jahrzehnten allzu oft recht stiefmütterlich behandelten – Genre ihren Stempel aufgeprägt haben: Auf die „romantische“ Trias Schubert, Schumann, Mendelssohn, die dem Lied in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts ganz neue Reiche erschlossen haben, folgt nach der Mitte jenes fruchtbaren Jahrhunderts eine ganze Plejade geborener Liedmeister, die diese vielleicht kostbarste und reichste Kunstform auf die ungeahnten Entdeckungen und Abenteuer des turbulenten, vielstimmigen und widersprüchlichen XX. Jahrhunderts vorbereitet haben.
Unter ihnen ragt ein in jeder Hinsicht sehr ungleiches Paar hervor, die für das Lied ihrer jeweiligen Muttersprache bestimmend wurden, einander aber niemals persönlich begegnet sind, und allem Anschein voneinander auch nur sehr wenig Notiz nahmen, obwohl ihre Lebenszeiten sich 52 Jahre lang überschnitten: Wir sprechen natürlich von Johannes Brahms (1833-1897) und Gabriel Fauré (1845-1924), deren Nachruhm zwar weit über die Grenzen ihrer Heimatländer strahlt, aber trotzdem sehr verschiedener Natur ist. Es war der Amerikaner Aaron Copland (1900-1990), der anläßlich von Faurés Tod das seither allzu oft wiederholte Schlagwort von „Frankreichs Brahms“ in die Welt setzte.
Wir wollen diesem problematischen Epitheton an diesem Wochenende ein wenig nachspüren und widmen den beiden Meistern je einen Liederabend, wobei wir versuchen werden, die Charakteristik ihrer individuellen Tonsprachen und ihres spezifischen Umgangs mit der von ihnen vertonten Lyrik zu beleuchten. Sollte diese Gegenüberstellung auch einen Anstoß geben, sich mit dem hierzulande nur sporadisch präsenten Lied-Erbe Faurés etwas intensiver zu befassen, so hätten wir unser Ziel erreicht.




