Lied statt Krieg I: Johannes Brahms
Freitag, 4. September 2026, 19:00Programm:
O kühler Wald (Clemens Brentano) op. 72 Nr. 3 (Wien, März 1877)
Therese (Gottfried Keller) op. 86 Nr. 1 (Pörtschach, Mai 1878)
An eine Äolsharfe (Eduard Mörike) op. 19 Nr. 5 (Göttingen, 1858/59)
Der Jäger (Friedrich Halm) op. 95 Nr. 4 (Mürzzuschlag, Sommer 1884)
Die Mainacht (Ludwig Hölty) op. 43 Nr. 2 (Karlsruhe, Frühling 1866)
Salamander (Carl von Lemcke) op. 107 Nr. 2 (Thun, Sommer 1886)
Geheimnis (Carl Candidus) op. 71 Nr. 3 (Wien, März 1877)
Ständchen (Franz Kugler) op. 106 Nr. 1 (Thun, Sommer 1886)
Der Tod, das ist die kühle Nacht (Heinrich Heine) op. 96 Nr. 1 (Mürzzuschlag, Sommer 1884)
Unbewegte, laue Luft (Georg Friedrich Daumer) op. 57 Nr. 8 (Baden-Baden, Sommer 1871)
Von ewiger Liebe (nach dem Sorbischen von Hoffmann von Fallersleben) op. 43 Nr. 1 (Wien, 1864)
In der Geschichte des Liedes begegnen uns in den letzten 200 Jahren gehäuft Großmeister, die dem verletzlichen – und in den letzten Jahrzehnten allzu oft recht stiefmütterlich behandelten – Genre ihren Stempel aufgeprägt haben: Auf die „romantische“ Trias Schubert, Schumann, Mendelssohn, die dem Lied in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts ganz neue Reiche erschlossen haben, folgt nach der Mitte jenes fruchtbaren Jahrhunderts eine ganze Plejade geborener Liedmeister, die diese vielleicht kostbarste und reichste Kunstform auf die ungeahnten Entdeckungen und Abenteuer des turbulenten, vielstimmigen und widersprüchlichen XX. Jahrhunderts vorbereitet haben.
Unter ihnen ragt ein in jeder Hinsicht sehr ungleiches Paar hervor, die für das Lied ihrer jeweiligen Muttersprache bestimmend wurden, einander aber niemals persönlich begegnet sind, und allem Anschein voneinander auch nur sehr wenig Notiz nahmen, obwohl ihre Lebenszeiten sich 52 Jahre lang überschnitten: Wir sprechen natürlich von Johannes Brahms (1833-1897) und Gabriel Fauré (1845-1924), deren Nachruhm zwar weit über die Grenzen ihrer Heimatländer strahlt, aber trotzdem sehr verschiedener Natur ist. Es war der Amerikaner Aaron Copland (1900-1990), der anläßlich von Faurés Tod das seither allzu oft wiederholte Schlagwort von „Frankreichs Brahms“ in die Welt setzte.
Wir wollen diesem problematischen Epitheton an diesem Wochenende ein wenig nachspüren und widmen den beiden Meistern je einen Liederabend, wobei wir versuchen werden, die Charakteristik ihrer individuellen Tonsprachen und ihres spezifischen Umgangs mit der von ihnen vertonten Lyrik zu beleuchten. Sollte diese Gegenüberstellung auch einen Anstoß geben, sich mit dem hierzulande nur sporadisch präsenten Lied-Erbe Faurés etwas intensiver zu befassen, so hätten wir unser Ziel erreicht.




